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Samstag, 3. Juni 2017

Ein Outdoor-Lautsprecher Projekt für den kleinen Geldbeutel



Da die Welt wieder einmal kopfsteht und sich die Ereignisse überschlagen, gehe ich ein wenig in mich um den Kopf frei zu kriegen. Raus aus dem Wettbewerb um die schnellste Schlagzeile, hin zu zwei Eigenentwicklungen - Lautsprecherprojekte welche mir schon länger im Kopf herum schwirrten. Das erste Projekt ist was für den kleineren Geldbeutel und von praktischer Natur - gerade jetzt zur Grillzeit. Das zweite Projekt ist schon sehr gehoben und befindet sich in der Hifi Spitzenklasse, dieses soll in meinem nächsten Artikel beleuchtet werden. Nun zum ersten Projekt welches bereits vollendet ist und sich bestens bewährt hat....

Projekt 1:  Das passive Outdoor 2.1 System "Thor"

Es ist wie es ist, die Sonne scheint und man verbringt viel Zeit im Garten, dabei wird man meist von einem schräbbeligem Radiosound genervt. So macht das Musikhören einfach keinen Spaß. Miniboxen und Kompaktanlagen können nur ein Notbehelf sein, und Lust darauf ständig seine Boxentürme in den Garten zu hieven hat auch niemand. Also was ist zu tun? PA Boxen in der Größe eines Kleinwagens treten allenfalls nur zu Feten auf den Plan. Wenn solche Monster danach nicht zeitnah abgeräumt werden gibt es mit Sicherheit Partnerinnen die dann zu Monstern mutieren. Aus diesem Grunde habe ich mir Gedanken gemacht und ein relativ preiswertes, wetterfestes sowie kompaktes passiv 2.1 System entworfen, von dessen Klang ich vollkommen überzeugt wurde....

Der Subwoofer

Da das Gehäuse wetterfest sein sollte war natürlich Kunststoff das Material der Wahl, allerdings ist sowas meist astronomisch teuer, aber es gibt ja das Internet. Alles begann also mit sechs Hart-PVC Platten, welche ich bei der Firma Onlineplast für 80 Euro im Netz erstand. Die Materialstärke von 12 mm war ein Kompromiss zwischen Stabilität und Preis, wobei sich diese Stärke später als vollkommen ausreichend erweisen sollte. Fünf der sechs Platten wurden mit "Tangit" PVC-Kleber verklebt, den Boden habe ich aus Servicegründen später allerdings mit Edelstahlschrauben und Dichtmasse verschlossen. So entstand ein geschlossenes Gehäuse-Volumen von etwa 25 Liter. Ich entschied mich nicht nur aus platzgründen für ein geschlossenes System, sondern auch weil ich keinerlei Bedürfnis verspürte mehrbeinigen Untermietern eine neue Heimat zu verschaffen ;o)

Nach dem alle Löcher gesägt waren, ich alles geschmirgelt, grundiert und gelackt hatte, sah das ganze schon recht stabil und nett aus. Als Subwoofer Treiber kam der Doppelschwingspulen-Tieftöner Sinus Live B25D für knappe 50 Euro zum Einsatz. Das Herz des Ganzen ist die Intertechnik Weiche Sub 100 für etwa 32 Euro, welche genau wie der Tieftöner auf 4 Ohm ausgelegt ist. Beide Komponenten sind zwar nicht highendig, boten aber eine anständige Qualität zu einen erträglichen Preis. Der Subwoofer wurde nun durch die Weiche bei 90 Hz (mit 12dB) getrennt. Die Verkabelung des Subwoofers erfolgte mit 1,5 qmm Oelbach Kabel und das Terminal kam genau wie die Weiche und das Dämmmaterial aus dem Hause Intertechnik. Als Finish rundete ein Lautsprecher Gitter von Emphaser für knapp 20 Euro die Subeinheit ab. Gesamtkosten der Subwoofereinheit (mit Schrauben, Kleber Farbe, Kunststoffprimer, Kleinmaterial, Dämmstoff, Dichtmasse und Terminal) 210 Euro.


Die Satelliten

Bei den Satelliten hatte ich auf ein Fertigprodukt der Marke McGee gesetzt - die MC PA 50 - dabei handelt es sich um Outdoorlautsprecher aus Fernost, welche zum damaligen Zeitpunkt knapp 50 Euro kosteten. (heute mittlerweile über 60) Deshalb würde ich aktuell eher auf die "JBL Control one" setzen welche mittlerweile auch für unter 100 Euro verschärbelt wird. Praktisch bei der McGee ist die Verschraubung mit normalen Kreuzschlitzschrauben, welche hinter dem Gitter sitzen. Das Metallgitter entfernt man einfach indem man eine Nadel durch ein Gitterloch steckt und das Gitter mit sanftem Nachdruck entfernt.
 McGee MCPA 50 ohne Gitter


 Minikondensator als Weiche

 Upgrade: 12dB Weiche, Trennfrequenz 3000 Hz, 8 Ohm

Das Innenleben ist wie das Hartkunststoffgehäuse ganz OK, allerdings fallen die dünnen Kabel und der mickrige Kondensator auf welcher als Weiche fungieren soll. (siehe Bilder oben) Die Hochtonkarlotte und der straffe Tiefmitteltöner machen einen, sagen wir mal, soliden Eindruck - Also etwas mit dem man arbeiten kann. Auch das Anschlussterminal mit Schraubklemmen ist durchaus brauchbar. Der Kondensator und die Minikabel wurden flux entfernt und durch eine 12 dB Weiche mit einer Trennfrequenz von 3000 Hz ersetzt. Kostenpunkt bei E-Bay knappe 24 Euro inkl. Versand (das Paar). Das vorher angesprochene Oelbach-Kabel sichert nun die Konnektivität zwischen den Komponennten. Auch hier kommt Dämmwolle der Firma Intertechnik zum Einsatz...Komplettpreis der Satlautsprecher mit Upgrade-Kleinscheiß sind etwa 80 Euro.

Die Abstimmung

Die McGee sind 8 Ohm Lautsprecher, also tendenziell etwas zurückhaltender als der leistungshungrige 4 Ohm Subwoofer, was mir sehr entgegen kam.  Da das menschliche Gehör tiefe Töne etwas vernachlässigt sowie mittlere Töne sehr bevorzugt und es im Freien keine vernünftige Raumakustik gibt, ist diese leichte "Fehlanpassung" zu Gunsten des Tieftöners von mir gewünscht. Der erste Indoor-Test war allerdings durchwachsen. Obwohl der Tiefton echt gut war (straff, detailliert und wenn es darauf ankam auch gewaltig) waren Mittel- und Hochton immer noch viel zu präsent. Das ganze erinnerte an den "Taunussound" der Firma Canton. 

 Erster Test indoor an High End Anlage T+A R 1500er Serie

Die Auflösung war für ein derartiges System allerdings recht gut - und ich bin verwöhnt. Gegen den heftigen Mittel-Hochton hatte ich aber noch ein Ass im Ärmel. Da die Sub 100 Weiche hochwertige Keramikwiderstände zur Schalldruckabsenkung der Satelliten besitzt, habe ich damit die Satlautsprecher um etwa 3 dB abgesenkt und siehe da....Heureka!!! Das System machte nun richtig Spaß. Damit konnte es nach draußen gehen!

Zweiter Test nach Abstimmung an JVC AX 662 outdoor....WOW!!!


Fazit, Installation + Steuerung

Nach der Außeninstallation und Aufhängung der Satlautsprecher fiel die unglaubliche Ortbarkeit und das solide Bassfundament direkt ins Ohr. Effektsounds von Kraftwerk wurden genau so ordentlich wiedergegeben wie heftige E-Gitarren Riffs von AC/DC und vom Bass will ich erst garnicht anfangen. Stundenlanges fettes Musikhören im Garten war nun möglich und das ohne zu nerven. Klanglich spielt dieses 2.1 System einige hochpreisige Lautsprecher die ich kenne an die Wand und das für unter 300 Euro. Ein paar Sturzregen sowie Hitze über 30 Grad hat es klaglos überstanden, somit scheint es auch praxistauglich zu sein. Fazit....echt was für den Garten, ich freue mich jedes mal beim Outdoor-Musikhören knubbelig ;o)

Fertige Verkabelung: 1,5 qmm Kupfer Flachkabel in Kabelkanal

Das Sahnehäubchen....PC und MP 3 Wiedergabe sowie Lautstärke lassen sich über W-LAN mit dem Programm Teamviewer steuern, welches ich auf meinem Tablet und dem PC installiert habe. (was übrigens ein Tipp meines Sohnes war) Das Ergebnis ist eine echt fast schon dekadent coole Musiksteuerung für lau!!!! Angeschlossen ist dieses Außensystem an meinen Arbeitszimmer-Verstärker JVC AX 662, welcher wiederum von meinem PC, über eine externe Soundkarte von Tascam mit Musik beschickt wird. Ich kann nur jedem Musik- und Gartenfreud so etwas empfehlen. Die Belastbarkeit dürfte etwa bei 2x70 Watt Sinus und 2x120 Watt Musik liegen, was für diesen Zweck vollkommen ausreichen dürfte. Der DC Widerstand des Systems liegt bei etwa 4 Ohm, was einer Imedanz (frequenzabhängiger Widerstand) von 6 Ohm entsprechen dürfte, der angeschlossene Verstärker sollte also nicht nur ein 8 Ohm Verstärker sein. Auf der sicheren Seite seid Ihr wenn Euer Verstärker 4 Ohm stabil ist.

Viel Spass beim Nachbau....und frohe Pfingsten!

Liebe Grüße

Euer Micha

Kleiner Nachtrag: 

Das System wurde für unsere speziellen Bedürfnisse Vorort ausgelegt, das heißt es steht schon etwas geschützt unter einer Terrassenüberdachung. Der Subwoofer allerdings ist schon klatschnass geworden, da Windböen waagerechten Regen produziert haben - Was aber weder für das Gehäuse, noch für den lackierten Treiber ein Problem war. Wenn ein Nachbau oder ähnliches völlig ungeschützt aufgestellt wird, empfehle ich zwei Dinge. Entweder besorgt Ihr Euch Schutzhüllen welche abends über die Systeme gezogen werden können (im Prinzip reicht eine große Tüte) oder Ihr verbaut im Subwoofer ein Polypropylen Chassis und achtet auch beim Sat-Kauf auf Kunststoff Membrane. Solche Lautsprecher sind allerdings etwas schwieriger zu finden und auch ein wenig teurer.